Wohlrabe oder doch eher Übelkrähe? Die Unterkunftsleitung und die Rassist_innen!

Die Freund_innen von Dekonstruktion Ost baten uns, ihren Artikel den Leser_innen des Infoportals zugänglich zu machen. Dem kommen wir mit Freude über die Veröffentlichung und Ungläubigkeit über den Sachverhalt nach.

Am gest­ri­gen Abend kam es zu einem Tref­fen zwi­schen André Kie­bis, Lei­ter der ras­sis­ti­schen „Bür­ger­initia­ti­ve für ein le­bens­wer­tes Mar­zahn-​Hel­lers­dorf“, und der Lei­tung der Un­ter­kunft für Asyl­be­wer­ber_in­nen in der Ca­ro­la-​Ne­her-​Stra­ße, Mar­ti­na Wohl­ra­be sowie POLIS, der be­zirk­li­chen Ge­gen-​Rechts-​Stel­le. Laut der BMH fand die­ses Tref­fen in der Un­ter­kunft statt. Die­ses Tref­fen ist der Hö­he­punkt einer Kam­pa­gne der Bür­ger­initia­ti­ve, einen Fuß in die Lo­kal­po­li­tik zu be­kom­men und sich als Sprach­rohr der An­woh­ner_in­nen dar­zu­stel­len. Wohl­ra­be er­teil­te ihr nun den lang er­sehn­ten Rit­ter­schlag, wo sich bis­her im Be­zirk ein an­ti­ras­sis­ti­scher Kon­sens hielt, nicht auf die Ge­sprächs­an­ge­bo­te zu re­agie­ren und keine ge­mein­sa­me Sa­chen mit den Men­schen zu ma­chen, die für die Es­ka­la­ti­on in Hel­lers­dorf über­haupt erst ver­ant­wort­lich sind. Die Be­rich­te über die Tä­tig­kei­ten von Kie­bis und Kon­sor­ten sind in­zwi­schen zahl­reich und aus­führ­lich. Kie­bis ver­such­te auch in Ju­gend­clubs Räum­lich­kei­ten für seine Trup­pe zu be­kom­men, was bis­her ab­ge­lehnt wurde. Auch an­ge­frag­te Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te lehn­ten Ge­sprä­che durch­weg ab, da sie durch an­ti­ras­sis­ti­sche Struk­tu­ren vorab in­for­miert wur­den.

Wohl­ra­be bricht den an­ti­ras­sis­ti­schen Kon­sens

Umso er­schre­cken­der ist es, dass ge­ra­de die Lei­tung der Un­ter­kunft nun um­ge­fal­len ist. Ihre Auf­ga­be ist der Schutz der Ge­flüch­te­ten und die Or­ga­ni­sie­rung des Un­ter­kunft-​Le­bens. Was auch immer sie meint, in ihren Kur­sen zu akt­zep­tie­ren­der Ju­gend­ar­beit ge­lernt zu haben: ihre neue Auf­ga­be kann es ihr nicht er­lau­ben, mit Ras­sis­t_in­nen in Kon­takt zu tre­ten. Viel­leicht soll­ten sie und ihre Ar­beit­ge­ber_in­nen über­den­ken, ob je­mand, der die Nähe zu be­kann­ten Nazis und Ras­sis­t_in­nen sucht, über­haupt dafür ge­eig­net ist, ein fried­li­ches Leben für Ge­flüch­te­te zu or­ga­ni­sie­ren. Das ist nicht das erste Mal, das Mar­ti­na Wohl­ra­be und die Be­trei­ber_in­nen-​Fir­ma nicht im Sinne einer an­ti­ras­sis­ti­schen Aus­rich­tung ar­bei­ten. Schon vor Bezug der Un­ter­kunft gab es einen But­ter­säu­re­an­schlag auf das Un­ter­kunfts­ge­län­de. Weder die Lei­tung noch die Po­li­zei äu­ßer­ten sich An­fang Au­gust dazu öf­fent­lich, ob­wohl es eine Haus­durch­su­chun­gen bei dem Täter gab, der sich per Selbst­an­zei­ge ge­stellt hatte. Umso un­ver­ständ­li­cher ist es, dass zu einem Tref­fen in der Un­ter­kunft selbst ge­la­den wurde, also Ras­sis­t_in­nen der Zu­tritt in das Wohn­um­feld der Ge­flüch­te­ten ge­währt wurde. Ge­ra­de Kie­bis wurde dabei ge­se­hen, wie er im Vor­feld des An­schlags eines Abends über den Zaun der Un­ter­kunft klet­ter­te. Wohl­ra­be han­delt also nicht im Sinne der Ge­flüch­te­ten, son­dern nach einer pri­va­ten Agen­da, die sich mit dem ras­sis­ti­schen Volks­mob so­li­da­ri­siert. All­tags­ras­sis­ti­sche Äu­ße­run­gen über die an­ge­nom­me­nen Ei­gen­schaf­ten der „Volks­grup­pen“, die in der Un­ter­kunft woh­nen, run­den das Bild nur ab. Wohl­ra­be? Nein, das ist eine Übel­krä­he!

Das I in POLIS steht für In­kom­pe­tenz

Das wir von POLIS nichts er­war­ten konn­ten, ist schon über die letz­ten Jahre klar ge­wor­den. Ins­be­son­de­re Tho­mas Bryant fällt durch sture Igno­ranz sämt­li­cher rech­ten und ras­sis­ti­schen Struk­tu­ren im Be­zirk auf, nur sein SPD-​Par­tei­buch hiev­te und hält ihn im Amt. Das Ar­beit gegen Ras­sis­mus und Nazis im Be­zirk Bryant zu an­stren­gend ist und ihn in sei­nem Aka­de­mi­ker_in­nen-​Him­mel stört, ist die er­nüch­tern­de Er­kennt­nis die­ses brau­nen Som­mers. Der Be­zirk soll­te schnell und in­ten­siv drü­ber nach­den­ken, ob POLIS und SPI fähig sind, ihren Auf­ga­ben in Mar­zahn-​Hel­lers­dorf nach­zu­kom­men. Eine Neuau­schrei­bung des Pro­jekts er­scheint an­ge­bracht.

Ras­sis­t_in­nen wol­len Kin­der­fest or­ga­ni­sie­ren – auch für die Un­ter­kunft

Wie geht es jetzt wei­ter? Wie aus einem be­zirk­li­chen Amt zu er­fah­ren ist, will Kie­bis am 26. Ok­to­ber eine Ver­an­stal­tung mit den Kin­dern aus dem Kiez und der Un­ter­kunft ver­an­stal­ten. Er und seine Hel­fers­hel­fer_in­nen hof­fen da­durch, sich ei­ner­seits von den Vor­wür­fen des Ras­sis­mus los­sa­gen zu kön­nen, an­de­rer­seits sich wei­ter­hin als Sprach­rohr der An­woh­ner_in­nen eta­blie­ren zu kön­nen. Ver­schlei­ert soll dabei wer­den, dass ihre Ziele wei­ter­hin von ras­sis­ti­scher Re­t­ho­rik durch­drun­gen sind, die Zah­len der un­ter­ge­brach­ten Ge­flüch­te­ten nach Wil­len des Ver­eins für die „So­zi­al­ver­träg­lich­keit“ re­du­ziert wer­den sol­len und in der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grup­pe ge­gen­über so­li­da­ri­schen Ak­ti­vis­t_in­nen Ver­nich­tungs­phan­ta­si­en herr­schen. Gleich­zei­tig ist eine plau­si­ble Dis­tan­zie­rung von den bis­her in­vol­vier­ten or­ga­ni­sier­ten Na­zi­struk­tu­ren nicht er­folgt und ihr bis­he­ri­ges Wir­ken nicht offen ge­legt wor­den. Der Ver­such der le­ga­lis­ti­schen Aus­ge­stal­tung der Bür­ger­initia­ti­ve kann also nur als vor­geb­li­che Spal­tung ge­wer­tet wer­den, wäh­rend Kie­bis, Fröh­lich und die Ber­li­ner NPD / NW Ber­lin wei­ter­hin zu­sam­men­ar­bei­ten. Kri­ti­ker_in­nen die­ser Um­stän­de wird mit An­zei­gen ge­droht, dies bis­her al­ler­dings nicht ge­stellt wur­den.

Zu­sam­men­ar­beit ein­stel­len. So­fort!

So­li­da­ri­sche Ak­teur_in­nen auf be­zirk­li­cher und Lan­des­ebe­ne soll­ten auf Un­ter­kunfts­lei­tung und POLIS ein­zu­wir­ken, damit diese die Zu­sam­men­ar­beit mit den Ras­sis­t_in­nen be­en­den. Die Be­trei­ber_in­nen-​Fir­ma soll­te über­le­gen, ob Mar­ti­na Wohl­ra­be die nö­ti­ge Kom­pe­tenz hat, diese Stel­le wahr­zu­neh­men, oder ob eine Neu­be­set­zung mit einer kla­ren an­ti­ras­sis­ti­schen Agen­da hier in Frage kommt. Das LA­Ge­So muss in­ten­siv prü­fen, in­wie­fern es dort sei­nen recht­li­chen Rah­men aus­spie­len kann, um eine wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit mit or­ga­ni­sier­ten Ras­sis­t_in­nen zu ver­hin­dern.

Keine Zu­sam­men­ar­beit mit Nazis und Ras­sis­t_in­nen! BMH zer­schla­gen!