Archiv für August 2013

Jeden Tag ein Angriff: Nazis an der neuen Unterkunft

Stellvertretend für viele Situationen, die antirassistische Aktivist_innen und Bewohner_innen der Unterkunft in den letzten zwei Wochen erlebt haben, berichten wir an dieser Stelle genauer über einen Übergriff durch einen bekannten Nazi.

Am Montag, 26. August 2013, um 15:30 Uhr, hielt sich eine Gruppe von Aktivist_innen an der Mahnwache nahe der Unterkunft auf. Für einen kurzen Einkauf trennte man sich von der Mahnwache und lief durch den Kiez zu einem nahegelegenen Supermarkt. Währenddessen drohte der Nazi, ein Vertrauter Sebastian Schmidtkes (NPD Landesvorsitzender), an der Mahnwache: „Sagt eurem Freund, dass er rennen kann.“ und „Kommt doch mit, wenn ihr Spaß haben wollt.“

Nazi bei den Refugee Protesten am Brandenburger Tor

Kurz vor dem Supermarkt bemerkten die Aktivist_innen, dass jemand sie verfolgte, der, als sie stehen blieben, unentschlossen auf der gegenüberliegende Straßenseite auf und ab ging und sie über den Parkplatz hinweg beobachtete. Auf einen Hinweis auf die bedrohliche Lage reagierten die angesprochen Polizeikräfte zunächst gewohnt lässig mit einem „Wir sind ja da.“ Erst nach einigen Minuten, als der Nazi vor die Unterkunft lief, interessierten diese sich für die Situation. Dort wurde er von der Polizei festgehalten, drohte aber noch während der Personalienüberprüfung mit ausladenenen Gesten gegen die Aktivist_innen, die sich schützend vor die Unterkunft gestellt hatten. Inzwischen hatten sich auch weitere Rassisten, die dem Umfeld der Bürgerinitiative zugerechnet werden, in die Situation begeben. Nach der Überprüfung durch die Polizei ließ diese ihn tatsächlich noch an der Mahnwache vorbeigehen, was er für weitere Drohungen nutzte. Danach verschwanden sowohl er, als auch das BMH-Umfeld in der Umgebung.

Nazi neben Schmidtke am Braunen Dienstag - (c) Christian Jäger
(c) Christian Jäger

Die Nazis sind nicht erst seit dem Bezug der Unterkunft in dem Kiez präsent. Sie bedrohen seit Tagen Aktivist_innen, Migrant_innen und Refugees. Kein Tag vergeht ohne Drohungen, Pöbeleien oder Angriffe. Die Polizeiberichte sind dahingehend nicht vollständig. Eine bezirkliche Stelle, die solche Übergriffe zeitnah veröffentlicht und kontextualisiert, gibt es nicht. Hier muss eine Alternative zu POLIS* geschaffen werden, die rassistischen Vorkommnissen engagiert nachgeht. Die Ruhe, die sich Bezirk, Medien und desinteressierte Anwohner_innen so sehnlich herbei wünschen, gibt es nicht, solange Nazis und Rassist_innen sich in diesem Kiez frei bewegen. Die Ruhe und Ordnung einer „National Befreiten Zone“, die sich die Nazis konstruieren, bedeutet eine Gefahr für Würde, Leib und Leben aller Menschen, die nicht in das Weltbild dieser Akteur_innen fallen.

Das macht deutlich, warum es so wichtig ist, dass wir dauerhaft in Hellersdorf präsent sind: nur durch kontinuierliche Arbeit vor Ort kann sich die von den Nazis konstruierte „Homezone“ aktiv wandeln und die rassistische Hegemonie gebrochen werden. Wir fordern einen sicheren, selbstverwalteten Raum für Geflüchtete, Aktivist_innen und Initiativen mitten im Kiez. Dorthin, wo es den Nazis und Rassist_innen weh tut!

Website ist da!

Um bei längeren Beiträgen nicht mehr nur auf Facebook verweisen zu müssen und eine zentrale Seite mit gesammelten Informationen zu haben, gibt es seit heute diese Website.

Wir werden hier in regelmäßigen Abständen neue Berichte veröffentlichen, Chronologien für den Bezirk erstellen und haben darüber hinaus noch einige andere Sachen im Kopf. Falls ihr auch Ideen habt, bringt euch gerne mit ein, indem ihr unter Kontakt eine Mail an uns schreibt.

Wir danken allen solidarischen Menschen, die uns ihre Hilfe angeboten haben und ganz praktisch tätig geworden sind. In diesem Posting danken wir ganz besonders cuore für das Design und mlx für die Implementierung. Ohne die beiden sähe die Website echt langweilig aus!

Zur aktuellen Lage, Sicherheit und Organisierung

I. Die Berliner Polizei verheimlicht stattfindende Angriff auf die Unterkunft und kommuniziert eine nicht zutreffende Sicherheitslage. In der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag gab es laut einer_s Geflüchteten Steinwürfe auf die Unterkunft. Seitdem sind erneut Menschen, insbesondere Kinder, in der Unterkunft sehr verängstigt. In der Nacht von Donnerstag zu Freitag zog die Polizei zwischen 2 und 3 Uhr ihre Einsatzkräfte inkl. Einsatzleitung massiv vor der Unterkunft zusammen. Danach kontrollierte sie am Kastanienboulevard eine Person, die laut Augenzeug_innen einen Rucksack voller Steine dabeihatte. Von einer Entspannung der Situation kann also derzeit nicht ausgegangen werden. Das Sicherheitsbedürfnis kann durch die Polizei nicht genügend erfüllt werden, es braucht ein dauerhaften und nachhaltigen Aktionsplan durch Stadt und Bezirk, der Rassismus aufklärend und sanktionierend entgegentritt.

EDIT: Klarstellung der Berliner Polizei zum Vorfall: http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/388322/index.html

Auch wir werden weiterhin im Rahmen unserer Möglichkeiten die Situation vor der Unterkunft sichernd begleiten. Fragt bitte Berliner_innen eures Vertrauens (und nicht uns) in den nächsten Tagen nach mehr Informationen.

II. Wir sind täglich von 10 – 18 Uhr mit unserem Infopoint direkt an der Unterkunft in der Carola-Neher-Straße vor Ort. Dort können sich Refugees, Anwohner_innen und Aktivist_innen mit neuen Infos zur Situation versorgen lassen und wir organisieren Beratungsangebote für die Geflüchteten. Falls ihr Lust habt, dort eine Schicht von 10 – 14 oder 14-18 Uhr zu besetzen, meldet euch bitte beim Infotelefon unter 0178/5345912 oder antira-info-mh@hushmail.com. Wir brauchen euren Support!

III. Morgen will die NPD um 16 Uhr erneut den Aufmarsch Alice-Salomon-Platz versuchen. Lasst das auch dieses Mal zum Desaster werden. Nazis werden auch in Hellersdorf weggebasst! FB-Event von Linksjugend Solid: https://www.facebook.com/events/209660855865417/

Wer übrigens vorher und nachher noch bei cooler Mucke in Hellersdorf Zeit verbringen will, der kommt zum rand.gestalten 2013 mit Workshops und coolen Acts. Ab 11 Uhr auf dem Gelände des AJZ Kita nahe U Louis-Lewin-Platz. Mehr Infos und Timetable unter: http://randgestalten.blogsport.de/

III. Zum Thema Spenden. Im Laufe des Tages veröffentlichen wir eine Postadresse, an die auch Leute außerhalb von Berlin ihre Spenden schicken können. Falls ihr in Berlin etwas habt und vorbeibringen könnt: bitte von 10 – 18 Uhr am Infopoint (siehe oben) abgeben. Bitte fokussiert euch dabei weiterhin erstmal auf die Schulmaterialien, die in der nächsten Woche ganz nötig sein werden. Weiteren Spendenbedarf werden wir bei den Geflüchteten erfragen und dann an euch kommunizieren.

Ein Spendenkonto für die Struktur (also UNS, nicht die Geflüchteten – wir wollen niemand in die Irre leiten!) wird heute in einem separaten Posting kommuniziert. Auch wir können noch Einrichtungs-Spenden bzw. Sachen, die temporär zur Verfügung gestellt werden, gebrauchen.

IV. Im Laufe des Tages wird es eine Website erstellt, auf der alle Informationen gesammelt werden. Webdesigner, die sich mit Blog-Designs auskennen und tagsüber helfen können, melden sich bitte per Nachricht oder E-Mail an: antira-info-mh@hushmail.com.

Bedrohung durch Rocker

Gestern Nacht gab es ein Bedrohungsszenario durch Rocker, die versucht haben die Mahnwache und Aktivist_innen anzugreifen. Die Polizei griff nur halbherzig ein, wurde selbst mit Plastikflaschen beworfen. Letztendlich wurde auch ein Gebäude auf dem Gelände der Unterkunft mit einem Stein beworfen. Das macht umso deutlicher, das das Schutzkonzept der Polizei hier nicht ausreichend ist!

Jetzt geht es los, Pro Deutschland am U Kaulsdorf Nord / SpreeCenter in ihrer rassistischen Hetze gegen die Unterkunft zu stören. Ab 9:30 wollen die Idioten da sein, die Polizei ist jetzt schon stark vor Ort und hat die Gegend mit Hamburger Gittern abgesperrt. Pro Deutschland und Rassist_innen in die Wuhle.

Hellersdorf – Morgen Einzug der Refugees!

Kundgebungsaufruf für den morgigen Montag, 19.8, 12 bis 22 Uhr:

In der vielfach attackierten Unterkunft in Hellersdorf in der Carola-Neher-Straße sollen heute die ersten Geflüchteten einziehen. Die Stimmung in ihrem Kiez wurde durch die inzwischen offen neonazistisch agierende „Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf“ aufgeheizt und wir befürchten Aktionen der Neonazis und einigen rassistischen Anwohner_innen, die diese Ankunft stören wollen.

Deswegen rufen wir zur Solidarität auf: unter dem Motto „Raven für Refugees“ werden wir den ganzen Tag einen angmeldeten Anlaufpunkt für Aktivist_innen bieten, um schnell auf rassistische Aktionen der BMH reagieren zu können und uns im Kiez positionieren. Kundgebungsort ist der Vorplatz am Ausgang des U-Bahnhofs Cottbusser Platz in Richtung Carola-Neher-Straße.

Den Tag über werden DJs die Veranstaltung musikalisch begleiten, es wird geflyert und verschiedene Gruppen werden Redebeiträge halten. Euer Kreativität sind aber keine Grenzen gesetzt!

Wer zuhause / auf Arbeit bleiben muss: meldet die Nazi-Ticker der BMH über Facebook (https://www.facebook.com/pages/Bürgerinitiative-Marzahn-Hellersdorf/470302906396050) und Twitter (https://twitter.com/BIMarzHellersd1), damit sie nicht mobiliseren können. Copyright, Hate-Speech, alles was ihnen Sperren einhandelt.

Bitte verteilt diesen Aufruf schnell weiter, nutzt SMS- und E-Mail-Verteiler, Twitter, wer noch hat: auch Facebook, damit wir viele sind und effektiv gegen den rassistischen Konsens im Kiez agieren können. Eure Solidarität wird dringend gebraucht, auch wenn es jwd – janz weit draußen – ist.

Bringt Transparente, Schilder, Tröten, eigene Redebeiträge, alles was euch einfällt mit. Seid kreativ und engagiert!

Zeit: Montag, 19.8 (Morgen!), 12 bis 22 Uhr
Ort: U-Bhf Cottbusser Platz, Ausgang Richtung Carola-Neher-Str., Vorplatz.
Anfahrt: U5 – Achtung: Ersatzverkehr, schaut bitte in die BVG-Infos

Info-Ticker: https://twitter.com/AntiRa_Info_MH